Auru | Aitore Zholdaskali | KZ 2025 | 101 Min
Obwohl sich das Pärchen Azamat und Tansholpan täglich mit Floskeln wie „New day – new opportunity!“ den spätkapitalistischen Grindset ins Bewusstsein hämmert, pfeift es finanziell aus dem letzten Loch. Eine Notlüge bringt die beiden schließlich auf eine lukrative Idee: Sie gibt sich mit rasiertem Schädel als Krebspatientin aus, er vermarktet ihr (scheinbares) Leid in den Sozialen Medien und ruft zum Crowdfunding auf. Bald sind sie reich und berühmt – doch der Niedergang lässt nicht lange auf sich warten. Aitore Zholdaskali packt in seiner grellen und hundsgemeinen Satire das System an den Eiern und stellt Selbstausbeutung wie -vermarktung als Symptome einer todgeweihten Gesellschaft aus, in der längst Geld über Moral regiert. Nicht zuletzt die derben Gewaltdarstellungen machen Sicko zu einer unbedingt sehenswerten Provokation und Zumutung. (Markus Keuschnigg)