Nach Yasujiro OZUs Tod im Jahr 1963 wurden 32 persönliche Tagebücher aus drei Jahrzehnten entdeckt, die einen ungewöhnlich intimen Einblick in das Leben des Filmemachers hinter einigen der zeitlosesten Meisterwerke der Filmgeschichte gewähren. Daniel RAIMs Dokumentarfilm nutzt diese Tagebücher als roten Faden und verbindet OZUs eigene Worte mit Briefen, Notizbüchern, Fotografien, Archivinterviews und bisher unveröffentlichten Filmaufnahmen. Die Doku führt durch OZUs Leben und Karriere und beleuchtet die Erfahrungen, die seine unverwechselbare Vision geprägt haben: seine leidenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Kino und die Einflüsse seiner Mitwirkenden wie Setsuko HARA oder Drehbuchautor Kogo NODA. Er erzählt aber auch vom tiefen Schmerz, den der Tod seines Freundes Sadao YAMANAKA und der tiefgreifende Bruch während der Kriegsjahre hinterlassen haben. RAIM zeichnet nach, wie persönlicher Verlust und Kriegstrauma nach und nach in seinen Filmen ihren Ausdruck fanden, von seinen frühesten Arbeiten über Meisterwerke wie Tokyo Story bis hin zu seinem Alterswerk.
Der amerikanische Dokumentarfilmemacher Daniel RAIM hat mit seiner oscarnominierten Kurz-Doku Lincoln’s Nose (2000) bereits eine durchaus erfolgreiche Vergangenheit. Besonders seine filmbezogenen Docu-Shorts für die Criterion Collection prädestinierten ihn für seine große Herausforderung. Nach zwei kleinen Ozu Criterion-Dokus erfuhr er von der Existenz der Ozu Tagebücher und anderer persönlicher Gegenstände des Meisterregisseurs. Mit ihrer Hilfe wollte er einen genaueren Blick hinter die durch seine Filme bekannte Figur werfen. In ausgedehnter Research Arbeit entwickelte er seinen Dokumentarfilm, in dem er Ozu anhand seiner Tagebuchaufzeichnungen auch selbst zu Wort lassen kann, verbunden mit zahlreichen Interviews mit Filmemachern (darunter Wim Wenders und Kiyoshi Kurosawa), die ihren eigenen Blick auf Ozu darstellen. Nach der Weltpremiere bei den Filmfestspielen in Venedig, reist der Film nun seit vielen Monaten von Festival zu Festival.