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Elfriede Jelinek - Die Sprache von der Leine lassen

Claudia Müller | DE, AT 2022 | 96 min | DF | ab 12
Mit: Elfriede Jelinek, Sophie Rois, Stefanie Reinsperger, Sandra Hüller, Martin Wuttke u.a.

MI 7.12. 18:15 Filmcasino -- with English subtitles

Zu sehen im Filmcasino
Ausnahme: 29.11. im Filmhaus Spittelberg

„Wunderkind, Skandalautorin, Vaterlandsverräterin, Feministin, Modeliebhaberin, Kommunistin, Sprachterroristin, Rebellin, Enfant terrible, Nestbeschmutzerin, geniale, verletzliche Künstlerin“.

Claudia Müllers Film über Elfriede Jelinek, die 2004 als erste österreichische Schriftstellerin mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet wurde, stellt ihren künstlerischen Umgang mit Sprache in den Mittelpunkt. Vielschichtig und assoziativ nähert er sich der Kunst seiner Protagonistin mit ihren eigenen sprachkompositorischen Verfahren. Unter Mitwirkung und mit den Stimmen von Ilse Ritter, Sandra Hüller, Stefanie Reinsperger, Sophie Rois, Maren Kroymann und Martin Wuttke ist ein vielschichtiges und faszinierendes Filmporträt entstanden.

ELFRIEDE JELINEK – DIE SPRACHE VON DER LEINE LASSEN – Trailer German | Deutsch

Kaum eine andere Schriftstellerin hat die Gemüter je so polarisiert, wie Elfriede Jelinek. Kaum eine andere Künstlerin erfährt so viel öffentliche Wahrnehmung wie sie. Über kaum eine andere Schriftstellerin wird mehr geforscht und geschrieben. Sie wird beschimpft und beleidigt, verehrt und gewürdigt, und hat für ihre Arbeiten sämtliche Auszeichnungen erhalten, die die Literatur- und Theaterwelt zu vergeben hat.

Seit den 1960er Jahren hat Elfriede Jelinek ein komplexes, vielschichtiges und vor allem umfangreiches Werk aus Lyrik, Prosa, Hörspielen, Theaterstücken, Essays, Libretti, Drehbüchern und Übersetzungen geschaffen. Der „musikalische Fluss von Stimmen und Gegenstimmen“ für den Elfriede Jelinek die höchste literarische Auszeichnung zuerkannt wurde, wird in Claudia Müllers Film ELFRIEDE JELINEK – DIE SPRACHE VON DER LEINE LASSEN zu einem visuellen Montagefluss, der das Werk der wohl umstrittensten und produktivsten Ausnahmekünstlerin wie ein Kunstwerk ausstellt.

Ausgehend von der Biografie der 1946 geborenen Künstlerin, die als „dressiertes musikalisches Wunderkind“ bereits Ende der 1960er Jahre ihre ersten Auszeichnungen für ihre literarischen Arbeiten erhielt, taucht der Film in die österreichische Nachkriegsgeschichte ein, die von Verdrängung und Opfermythos geprägt ist. Künstlerische Einflüsse wie die der Wiener Gruppe oder der Wiener Aktionisten, die in ihrer Radikalität mit kaum einer anderen künstlerischen Bewegung vergleichbar ist, sind u.a. Quellen, aus denen sich ihr Werk entwickelt.

Die visuelle Sprache dieses komplexen Films, der sich aus einem Bergwerk von Archivmaterial und Found Footage bedient, ist zum einen ein zeithistorischen Portrait, gleichzeitig werden die literarischen Schauplätze von Jelineks Romanen und Dramen zur Projektionsfläche für Textcollagen aus Werken die über 50 Jahre hinweg entstanden sind.

Die öffentlichkeitsscheue Künstlerin, die bis zur Verleihung des Nobelpreises in zahlreichen Interviews Auskunft über sich und ihr Werk gegeben hat, ist in diesem Film durchgehend präsent. Auch durch ein neu-aufgezeichnetes Gespräch, das die Regisseurin im Sommer 2021 mit ihr führen konnte. Der Film ist kein Rückblick sondern ein Blick auf die Gegenwart und in die Zukunft, den die visionäre Künstlerin in ihren Texten immer wieder öffnet. Er macht Jelineks Gedankenströme nachvollziehbar und sichtbar.

 

Filmfest München 2022: FIPRESCI Preis

Aus der Jurybegründung: »Die Regisseurin hat eine einzigartige künstlerische Vision, die mit der Protagonistin harmoniert. Ihr Film ist ein Paradebeispiel für die Annäherung zweier unterschiedlicher Kunstdisziplinen: Film und Literatur

»Claudia Müllers Porträt ist ein Meisterwerk der unterhaltsamen Überraschungs-Montage, das die österreichische Nachkriegsgeschichte und damit Jelineks Motive von patriarchaler Frauenverachtung bis zur ‚Buberlpartei‘ FPÖ auffächert. Die liebevolle Hommage macht wach, räumt mit Vorurteilen über die angebliche Österreich-Hasserin auf und weckt unangestrengt den Appetit auf Literatur.« – artechock

»Von der Leine gelassen ist in dieser Doku nicht nur Elfriede Jelineks Sprache. Auch die Bilder entwickeln einen freien, assoziativen Sog, der den Film trägt.« – SWR

»Politisch, privat, poetisch: Claudia Müller ist eine glänzende Dokumentation über die österreichische Schriftstellerin gelungen.«epd-film

»Claudia Müllers Leinwandporträt ist ein Glücksfall…Mechthild Barths Montage von Footage- Material der 1950er/60er, neuen Super-8-Bildern und imposanten Kamerafahrten von Christine A. Maier ziehen einen in die Sprachlandschaften, wo auch Humor und (Selbst-)Ironie Platz haben.« – Kleine Zeitung

»Eine pointierte Doku über Elfriede Jelinek mit Sogwirkung.« – dot

»Gebührend, weil äußerst gekonnt: Ein Film über eine Ausnahmefigur… ein kleines Juwel von einem Film, das trotz seiner Kunstfertigkeit nicht mehr glänzen will als die Frau, die es vielschichtig porträtiert.. Eine wunderbare, nie trockene Würdigung.« – RAY


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