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Ein trauerndes Paar zieht sich nach "Eden", eine einsame Hütte in den Wäldern, zurück. Dort hoffen sie, ihre gebrochenen Herzen heilen und ihre kriselnde Ehe retten zu können. Aber die Natur verschafft sich ihr Recht, und die Situation kann nur schlimmer werden ...
Lars von Triers ANTICHRIST ist ein zutiefst beunruhigender Trip in menschliche Abgründe und Ängste und ein intensives Drama um die Macht und die Liebe zwischen zwei Menschen. Mit teils wunderschönen, teils drastischen Bildern schafft es von Trier, den Zuschauer zu berühren und zu erschüttern. Charlotte Gainsbourg erhielt für ihre mutige und aufwühlende Darstellung in Cannes die Silberne Palme als Beste Darstellerin.

 

Während sich seine Eltern im Nebenzimmer lieben, klettert ein kleiner Junge aus seinem Gitterbett, erklimmt einen Tisch und stürzt durch das offene Fenster der Etagenwohnung auf die Straße in den Tod. Die Frau (Charlotte Gainsbourg) verzweifelt am Tod ihres Sohnes und vergräbt sich in tiefer Trauer. Ihr Mann (Willem Dafoe), ein Psychotherapeut, will sie daraus befreien, indem er sie selbst therapiert – schließlich würde kein Psychoanalytiker sie besser kennen als er. Angst will er mit Angst bekämpfen, im Wald, dem Ort, vor dem sie sich am meisten fürchtet. Gemeinsam fahren sie nach „Eden“, der entlegenen Waldhütte des Paares auf einer Lichtung im Waldesdunkel. Hierhin hatte sie sich im Sommer davor mit ihrem Sohn zurückgezogen, um an ihrer Doktorarbeit über die Hexenverfolgung zu schreiben. Die Arbeit hat sie nie beendet, denn zuweilen glaubte sie, dass die Frauen, die als Hexen verbrannt wurden, tatsächlich böse und die Erfüllungsgehilfinnen Satans gewesen waren. Für die rationellen Argumente ihres Mannes ist sie wenig zugänglich, und doch glaubt sie sich plötzlich geheilt. An diesem magischen und bedrohlichen Ort scheint sie wieder zu sich zu kommen, unter anderem in der Sexualität. Er aber scheint die  Kontrolle über die Wahrnehmung zu verlieren. Eicheln regnen vom Himmel, Tiere beginnen zu sprechen, die ganze Natur fällt dem Wahnsinn anheim, und sie und er werden in die tiefsten Tiefen einer Spirale aus psychischer und körperlicher Selbstzerfleischung gerissen.

Bei den Filmfestspielen in Cannes sorgte „Antichrist“ für einen – von seinem Regisseur Lars von Trier selbst wohl nicht ganz unbeabsichtigten – Skandal. "Ich denke, ein starkes Bild sollte nicht aus einem Film herausgeschnitten werden, nur um des guten Geschmacks willen, oder um die Zuschauer zu schützen. Das ist mein Gefühl“ – so der Regisseur. In der Tat macht von Trier keinen Halt vor den Grenzen der Provokation und des Erträglichen, vor expliziter Sexualität, Vergewaltigung, Misshandlung und Verstümmelung. Dennoch,  die Gewalt ist kein billiger Schock-Effekt, sondern tatsächlich bestürzend und verstörend in einem Film, der auch als übersteigertes Kammerspiel über den Verfall einer Ehe gesehen werden kann.
Das Drama über Sex, Tod und Gewalt wird dabei von faszinierend assoziativen Traumbildern des finsteren Märchenwaldes überlagert, der als veritables Albtraumland Moral und Verstand außer Kraft setzt und zum Inbegriff der Schrecken wird. Ob der Wald oder doch sie oder er der titelgebende „Antichrist“ ist, bleibt natürlich ungeklärt, denn schließlich geht es in Lars von Triers Film um das Böse schlechthin und das wird sich auch in diesem wuchtigen, wirksamen und zwiespältiger Film nie ganz widerspruchsfrei erklären.